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17.04.2021


Über die Zustiegsorte Oldenburg, Bremen und Hannover fahren wir zu unserem Zwischenübernachtungshotel in Brandýs nad Labem nahe Prag, einer reizenden kleinen Stadt mit einem Schloss auf einem Felsen über der hier noch schmalen Elbe.

 

18.04.2021


Die „Goldene Stadt“ an der Moldau zu passieren, ohne ihr einen Besuch abzu-
statten, wäre unverzeihlich: Das multikulturelle Flair im von gotischen und barocken Bauten geprägtem Stadtbild fängt jeden Besucher sofort ein. Bei einer Führung entlang der wichtigsten Stätten im Zentrum wird es eine Fülle von Eindrücken geben, die jeden Besucher in den Bann ziehen wird. Am frühen Nachmittag setzen wir dann die Reise fort und werden gegen Abend unsere Hotels in Hegykö am ungarischen Südufer des Neusiedler Sees direkt am Nationalpark Fertö-Hansàg erreichen.

19.04.2021


Dieser Tag ist der Natur im wenig bekannten, ebenfalls grenzüberschreitenden Hanság gewidmet. Das ehemals riesige Niedermoorgebiet wurde und wird bis in die heutige Zeit entwässert und abgetorft . Zurückgeblieben sind ausgedehnte flache Gewässer und feuchte Niederungen, die heute zahlreichen Tieren, insbesondere aber den Vögeln eine Lebensstätte aus zweiter Hand bieten. Eine kurze Wanderung (ca. 1 km) auf ungarischer Seite führt zu Beobachtungsplattformen mit gutem Blick auf Trauerseeschwalben, Löffler, zahlreichen Watvögel und Enten. Nachmittags wechseln wir nach Österreich. Mit etwas Glück zeigen sich hier balzende Großtrap-
penhähne oder gar der mächtige Kaiseradler, der regelmäßig dem Gebiet einen Besuch abstattet.

20.04.2021


Der heutige Tag ist dem Neusiedler See selbst gewidmet: Mit Rangern unternehmen wir eine Fahrradtour in die Kernzone des Nationalparks. Die etwa 10 Kilometer lange Tour am Vormittag führt durch ausgedehnte Huteweiden, entlang von Flachgewässern und Röhrichten. Kampfl äufer, Säbelschnäbler, Löffler oder die grazilen Stelzenläufer finden hier Rastplätze und Nahrungsraum. Über Wiesen mit Zwerglilien und Perlhyazinthen singen vielleicht Lerchen, auf einer Weide stehen weiße Esel. Aus unscheinbaren Tümpeln kommen die klagenden Rufe von Rot-
bauchunken. Nach der Mittagsrast in Illmitz setzen wir gestärkt unsere Tour mit dem
Bus fort und besuchen die seenahen Salzlacken der „Illmitzer Hölle“. Die flachen Salzgewässer trocknen im Sommer aus. Im Frühjahr stehen auf den trockenen Uferrändern aus Sodaschnee Teppichen Salzkresse und andere salztolerante Pflanzen. Auf den Wiesen ziehen Graugänse ihre Jungen auf. Das flache Wasser lockt zahlreiche Rastvogelarten darunter Regenpfeifer und mehrere Seeschwalbenarten.

21.04.2021


Wir folgen an diesem Tag einem besonderen Tipp des NABU Österreich und machen morgens zunächst eine kleine Wanderung (ca. 4 km) am Römer-Kalksteinbruch von St. Margarethen, einem der ältesten und größten Steinbrüche Europas. In dem step-
penähnlichen Gebiet sind neben der Pfl anzenvielfalt dieses Kalk-Magerrasens zahlreiche Insekten, insbesondere Schmetterlinge zu beobachten. Auf einer Wiese nahe dem Parkplatz tummeln sich Ziesel, die bedrohten Erdkobolde der Region.
Zur Mittagsrast besuchen wir das Städtchen Rust mit seinem sehenswerten Altstadtkern und den Störchen, die fast jeden Schornstein oder Dachfirst mit einem Nest bestückt halten. Nachmittags geht es dann zur Storchenwiese des Ruster Storchenvereins, der überaus erfolgreich für das Zurückkommen der Störche gesorgt hat.

22.04.2021


Die flache Ebene des Neusiedler Sees wird im Norden und Osten von bewaldeten Hügelketten eingefasst. Der Wald des Soproner Gebirges zählt zu den bedeu-tendsten Waldschutzgebieten der Region. Hainbuchen, Traubeneichen, Flaum-eichen, Waldbirnen und Ebereschen hüten verborgene Naturschätze, die wir an diesem Tag bei einer geführten Wanderung an einem rauschenden Bach entlang entdecken wollen. Im Frühlingswald sollte uns ein Teppich von Lungenkraut, Gelb-
sternen und Lerchenspornen erwarten und vielleicht entdecken wir Feuer-salamander, die jetzt zum Absetzen ihrer Larven dem Bach zustreben. Unsere Wanderung dort (ca. 3,5 km) führt hinauf zum Varhely, eine knapp 500 Meter hohe Hügelkuppe. Bei guter Sicht reicht das Panorama über die gesamte Ebene des Neusiedler Sees bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Den Mittag verbringen wir in der sehenswerten barocken Altstadt von Sopron mit ihrem besonderen Charme. Anschließend besteigen wir im einzigen ungarischen Seezugang ein Schiff, das uns begleitet vom endlosen Gesang der Rohrsänger, Fluss-Seeschwalben und Mittelmeermöwen auf die andere Seite durch den Schilfgürtel trägt, wo wiederum Wasserläufer, Regenpfeifer und verschiedenste Enten im flachen Wasser entdeckt werden wollen.

23.04.2021


Der heutige Tag bringt unserem Busfahrer einen wohlverdienten freien Tag und gibt uns selbst Gelegenheit, die Umgebung unseres Wohnortes Hegykö zu erkunden. Morgens bieten wir eine kleine Wanderung zur Grenzgedenkstätte an, denn unweit unseres Hotels verlief bis zur Grenzöffnung der „Eiserne Vorhang“. Und mit Leihfahrrädern des Hotels lassen sich auf eigene Faust noch andere Kleinode entdecken. Auch der Ort bietet mehr: ein weithin bekanntes Thermalbad mit unterschiedlich warmen Wasserbecken. Und schließlich kann jeder der Verlockung folgen und genüsslich die Seele baumeln lassen.
24.04.2021

Begleitet von Kiss Miklós, einem Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung, fahren wir zur Vogelwarte der Esterhazys in Sarród, einer wiedervernässten Kernzone im Hanság, wo Wasserbüffel und Graurinder die Brutplätze der typischen Vogelwelt von Verbuschung freihalten. Der Erlenbruchwald mit mächtigen Brettwurzeln lockt wie auch See- und Kaiseradler, Zwergscharbe und mit etwas Glück frisch eintreffende Bienenfresser: rostrot, blau und gelb gefiedert mit schwarzem Augenstrich. Letztere lassen sich von einem Turm aus am Rande einer kleinen Sandgrube vortrefflich beobachten.
Nach dem geplanten Picknick geht es dann zum Schloss Esterhazy in Fertöd. Eine Führung durch das aufwendig restaurierte Rokoko-Schloss gibt Einblicke in die Pracht damaliger Fürstenhöfe. Auch der ausgedehnte Park hinter dem Schloss lädt zu einem Besuch ein.
25.04.2021

Auch am heutigen Tag bleiben wir erstmal auf den Spuren der Esterhazys und fahren in die kleine burgenländische Landeshauptstadt Eisenstadt, am Rande des Leithagebirges. Unsere erste Station ist der wie ein englischer Landschaftsgarten gestaltete fürstliche Schlosspark. Ausgedehnte Wiesen, alter Baumbestand und große Teiche bilden einen vogelreichen Lebensraum. Weiter geht es durch die einen Katzensprung entfernte Stadt, der Josef Haydn in seiner 30jährigen Schaffenszeit zu kulturellem Glanz verholfen hat. Hier verbringen wir auch die Mittagszeit.
Nach kurzer Fahrt entlang des Leithagebirges erreichen wir den Thenauriegel mit den bedeutendsten Kalk-Magerrasen der Region. Mit Glück blühen noch Küchenschellen, Adonisröschen und Orchideen. Eine Fachfrau, Urgestein der regionalen Naturschutzszene, wird uns dabei mit vielen interessanten Informationen über die Fläche und die Region begeistern. Noch in Begleitung unserer geschätzten Fachfrau wollen wir unser heutiges Programm mit einer Weinprobe abrunden.
26.04.2021

Von erhöhtem Platz an der Gloriette, einem klassizistischen Rundturm, überblicken wir die ungeheure Mächtigkeit des Schilfgürtels, von der wir gleich darauf einen ganz nahen Eindruck gewinnen wollen. Mit dem Kanu nähern wir uns den Rohrsängern, Rohrammern, Schwirlen und Bartmeisen und tauchen in ihren Gesang ein. Vielleicht zeigt sich ein Purpurreiher, schießt der blaue Blitz des Eisvogels jagend vorbei.
Den Mittag verbringen wir in Fertörakos und suchen dann den Ort des Paneuropäischen Picknicks auf. Von dort geht es auf in eine kleine Sandgrube, an deren Steilwand hoffentlich die Bienenfresser bereits neue Gänge zur Brut vorbereiten.
27.04.2021

Heute werden wir den Neusiedler See verlassen, um schon einen Teil der Rückreise zu bewältigen. Allerdings nutzen wir diese Fahrt für einen Abstecher an die Donau. Nur durch den Widerstand tausender Menschen gegen ein geplantes Kraftwerk blieb, ganz in der Nähe des Neusiedler Sees, die größte zusammenhängende Auenlandschaft Mitteleuropas, der Nationalpark Donauauen, erhalten. Natürliche Auwälder sind die artenreichsten Lebensgemeinschaften der gemäßigten Zone – unsere „Regenwälder“. Das Auf und Ab der Wasserstände bestimmt hier den Lebensrhythmus in den Alt- und Seitenarmen, den Tümpeln, Inseln und Schotterbänken. Bei einem Spaziergang können wir begleitet vom Gesang der Vögel und dem Hämmern von Schwarz- oder Mittelspecht einen Eindruck von dieser Urlandschaft gewinnen und mit etwas Glück die sich auf umgestürzten Baumstämmen sonnende Europäische Sumpfschildkröte entdecken. Auf den Lichtungen blühen vielleicht schon die ersten Orchideen, Schuppenwurze sprießen wie Spargelstangen aus dem Boden…
Nach einer Mittagsrast geht die Fahrt zurück nach Tschechien, wo wir gegen Abend wieder Brandýs nad Labem und unser dortiges Hotel erreichen werden.
28.04.2021

Nach dem Frühstück treten wir die Rückfahrt in die Heimat an.