Steppensee zwischen Alpen und Puszta

Frühlingserleben am Neusiedler See und in den grenzüberschreitenden Naturräumen von Ungarn und Österreich

Anreise
Über die Zustiegsorte Oldenburg, Bremen und Hannover-Anderten/Misburg
fahren wir zu unserem Zwischenübernachtungshotel in Melnik, nahe Prag,
einer reizenden kleinen Stadt mit prächtigem Renaissanceschloss mitten
im böhmischen Weinbaugebiet, direkt am Zusammenfluss von Elbe und Moldau.

Ein Besuch in Prag

Die „Goldene Stadt“ an der Moldau zu passieren, ohne ihr einen Besuch
abzustatten, wäre unverzeihlich: Das multikulturelle Flair im von gotischen
und barocken Bauten geprägten Stadtbild fängt jeden Besucher sofort ein. Bei einer Führung entlang der wichtigsten Stätten im Zentrum wird es eine Fülle von Eindrücken geben, die jeden Besucher in den Bann ziehen wird. Am frühen Nachmittag setzen wir dann die Reise fort und werden gegen Abend unsere Hotels in Hegykö nahe beim ungarischen Südufer des Sees direkt am Nationalpark Fertö-Hansàg erreichen.

Der Hansàg
Dieser Tag ist der Natur im wenig bekannten Hanság, dem an den See angrenzenden Teil des Nationalparks, gewidmet. Das ehemals riesige Niedermoor des Hanság wurde und wird bis in die heutige Zeit entwässert und abgetorft . Zurückgeblieben sind ausgedehnte flache Gewässer und feuchte Niederungen, die heute zahlreichen Tieren, insbesondere aber den Vögeln eine Lebensstätte aus zweiter Hand bieten. Eine kleine Wanderung (ca. 4 km) im ungarischen Hanság führt zu einer Beobachtungsplattform an der Purpurreiher, Löffler, Seeadler und der im Verborgenen lebende  Schwarzstorch zu erwarten sind. Nachmittags wechseln wir auf die österreichische Seite. Mit etwas Glück zeigen sich hier balzende Großtrappenhähne oder gar der mächtige Kaiseradler, der in diesem
Gebiet brütet.

Weiße Esel und Perlhyazinthen
Der heutige Tag ist dem Neusiedler See selbst gewidmet: Mit Rangern unternehmen wir eine Fahrradtour in die Kernzone des Nationalparks. Die etwa 10 Kilometer lange Tour am Vormittag führt durch ausgedehnte Huteweiden, entlang an Flachgewässern und Röhrichten. Kampfläufer, Säbelschnäbler, Löffler oder die grazilen Stelzenläufer finden hier Rastplätze und Nahrungsraum. Über Wiesen mit Zwerglilien und Perlhyazinthen singen vielleicht Lerchen, auf einer Weide stehen weiße Esel. Aus unscheinbaren Tümpeln kommen die klagenden Rufe von Rotbauchunken. Nach der Mittagsrast in Illmitz, setzen wir unsere Tour mit den Fahrrädern „auf eigene Faust“ fort und besuchen
die seenahen Salzlaken der „Illmitzer Hölle“ (Strecke ca. 15 km). Die flachen Salzgewässer trocknen im Sommer stark aus. Im Frühjahr stehen auf den trockenen Uferrändern aus Sodaschnee Teppiche von Salzkresse und anderen salztoleranten Pflanzen. Auf den Wiesen ziehen Graugänse ihre Jungen auf. Das flache Wasser lockt zahlreiche Rastvogelarten, darunter Regenpfeifer und mehrere Seeschwalbenarten.

Im Reich der Fürsten Esterhazy
Weniger anstrengend führt am heutigen Tag ein Spaziergang auf einem
Naturlehrpfad in der Nähe des ehemaligen Jagdhauses des Fürsten Esterhazy zu einem wenig bekannten See, tief in einem nassen Erlenbruchwald des Hanságs – ein Geheimtipp der ungarischen Nationalpark-Mitarbeiter. Nur wenig entfernt davon grasen Wasserbüffel als „Landschaftspfleger“ auf Nasswiesen. An Steilabbrüchen f acher sandiger Dünenreste brüten im Mai und Juni Bienenfresser. Mit etwas Glück sind die farbenprächtigen Vögel bereits eingetroffen und können an der Brutkolonie ausgezeichnet beobachtet werden. Nach dem geplanten Picknick am Ufer des „Einserkanals“ geht es dann zum „richtigen“ Schloss Esterhazy in Fertöd. Eine Führung durch das aufwendig restaurierte
Schloss im Stile des Rokoko gibt Einblicke in die Pracht damaliger Fürstenhöfe. Auch der ausgedehnte Park hinter dem Schloss lädt zu einem Besuch ein.

Verborgene Schätze
Die flache Ebene des Neusiedler See wird im Norden und Osten von bewaldeten Hügelketten eingefasst. Der Szarhalom Wald nahe Sopron zählt zu den bedeutendsten Waldschutzgebieten der Region. Hainbuchen, Traubeneichen, Flaumeichen, Waldbirnen und Ebereschen hüten verborgene Naturschätze, die wir an diesem Tag bei einer geführten Wanderung entdecken wollen. Im Frühlingswald sollte ein Teppich von Maiglöckchen erwachen und unter Totholz verborgen leben Feuersalamander. Unsere Wanderung dort (ca. 5 km) führt hinauf auf
den Varhely, eine knapp 500 Meter hohe Hügelkuppe. Bei guter Sicht reicht das Panorama über die gesamte Ebene des Neusiedler Sees bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Zur Mittagsrast besuchen wir das Städtchen Rust mit seinem sehenswerten Altstadtkern und den Störchen, die fast jeden Schornstein oder Dachfi rst mit einem Nest bestückt halten. Auf der Rücktour wollen wir noch
einem Geheimtipp des NABU Österreich folgen und den Römersteinbruch Sankt Margarethen besuchen. In der ausgedehnten Trockenrasen- und Felslandschaft verbergen sich neben botanischen Kostbarkeiten
zahlreiche Reptilien und seltene Brutvögel, vom Schwarzkehlchen bis zum Wiedehopf.

Ein Tag zum Entspannen
Der heutige Tag bringt für den Busfahrer die wohlverdiente Pause und gibt
uns selbst Gelegenheit, die Umgebung unseres Wohnortes Hegykö zu erkunden. Morgens bieten wir eine kleine Erkundungstour zur Grenzgedenkstätte an, denn unweit von unserem Hotel verlief bis zur Grenzöffnung der „Eiserne Vorhang“. Aber natürlich bietet der Ort noch mehr, so ein Thermalbad mit Wasserbecken, die von 22° bis zu
36° C warmem Wasser reichen. Es gibt auch die Möglichkeit, Fahrräder im
Hotel zu mieten oder einfach einmal am hoteleigenen Pool oder in der Sauna zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen.

Ein Ausflug nach Wien
Ein Tagesausflug führt in das nur knapp 100 Kilometer entfernte Wien.
Bei einer etwa dreistündigen Führung können wir zunächst die alte Pracht
der Donaumetropole erleben, dann gibt es Gelegenheit für ein paar Stunden
die Stadt selber zu erkunden.

Mit dem Kanu durch das Schilf
Fertöd – das ist der ungarische Name für den Neusiedler See und gleichzeitig eine Beschreibung für natürliche Vegetationszonen eines Steppensees, von denen der gewaltige Schilfgürtel, der das Seeufer besonders im ungarischen Teil kilometerbreit überdeckt, die Auffälligste ist. Das meterhohe Schilf im Nationalpark wird von.künstlichen Kanälen durchzogen. Nur in geführten Kanutouren darf dieses Gebiet von Menschen befahren werden. Das Konzert der Schilfbewohner – Rohrammern und Schilfrohrsänger, Purpurreiher, Zwergscharben, Rohrweihen, Beutel- und Bartmeisen – ein eindrucksvolles Naturschauspiel für alle Sinne, erwarten den Besucher. Ziel der Paddeltour ist ein ehemaliger Wachtturm aus der Zeit des Eisernen Vorhangs, der heute einen phantastischen Überblick über den gewaltigen Lebensraum bietet. Nach einer ausgiebigen Mittagspause
wollen wir am Nachmittag versuchen, Ziesel, die bedrohten Erdkobolde der Region, zu beobachten und weitere sehenswerte Rastgewässer in der Nähe erkunden.

Vom See in die Berge
An diesem Tag durchqueren wir das Seegebiet in seiner ganzen Breite, von
den fl achen Gewässern am Ostufer über den See hinweg bis zu den Hügeln im Westen. Wir beginnen mit einer Aussichtsplattform direkt am Seeufer, um noch einmal die Vogelvielfalt zu genießen. Gegen Mittag fahren wir mit einem gemieteten Schiff entlang der Schilfzone im Süden hinüber ins Ungarische. Während der Fahrt gibt es Gelegenheit zu einem zünft igen Mittagessen. Mit dem Bus geht es dann in den Naturpark Rosalia-Kogelsberg, wo uns eine Kräuterfrau erwartet, die uns auf eine Kräuterwanderung der besonderen Art in die Kalkmagerrasen des Rohrbacher Kogels mitnimmt.
Mit etwas Glück können wir dort zu den zahlreichen floristischen Juwelen prächtige Smaragdeidechsen beim Sonnenbaden beobachten.

Im Auwald der Donau
Heute werden wir den Neusiedler See verlassen, um schon einen Teil der
Rückreise zu bewältigen. Allerdings nutzen wir diese Fahrt für einen Abstecher an die Donau. Nur durch den Widerstand tausender Menschen gegen ein geplantes Kraft werk blieb ganz in der Nähe des Neusiedler Sees die größte zusammenhängende Aulandschaft Mitteleuropas, der Nationalpark Donauauen, erhalten. Natürliche Auwälder sind die artenreichsten Lebensgemeinschaft en der gemäßigten Zone – unsere „Regenwälder“. Das Auf und Ab der Wasserstände bestimmt hier den Lebensrhythmus in den Alt- und Seitenarmen, den Tümpeln, Inseln und Schotterbänken. Bei einem
Spaziergang können wir einen Eindruck von dieser Urlandschaft gewinnen und mit etwas Glück begegnen
uns Schwarz- und Mittelspecht, der Eisvogel oder die Hohltaube. Auf den Lichtungen können schon die ersten Orchideen blühen oder wir entdecken die Wilde Weinrebe, die Urform unserer Weinrebgewächse.
Nach einer Mittagsrast geht die Fahrt zurück durch die Slowakei nach Tschechien, wo wir gegen Abend wieder Melnik und unser dortiges Hotel erreichen werden.

Rückkehr
Nach dem Frühstück treten wir die Rückfahrt in die Heimat an.

 

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